Mehr Lernfreiheit für jedes Kind

Seit dem Schuljahr 2008/09 wird die Kronprinzenschule für alle Kinder der Schule einen neuen Schwerpunkt auf die von Maria Montessori geprägte Pädagogik setzen. Dieser Entschluss ist das Ergebnis einer Diskussion über die zukünftige Ausrichtung der Kronprinzenschule zwischen Eltern und dem Kollegium. Er wurde im Februar 2008 von allen Gremien einstimmig gefasst.

 

Die Eckdaten unseres neuen Schwerpunktes!

 

Anders als in klassischen Montessori-Schulen sieht unser Konzept vor, weiterhin in jahrgangsbezogenen Klassen zu arbeiten. Wir werden uns mehr als bisher der individuellen Förderung der Kinder im Rahmen von Freiarbeitsstunden widmen. In diesen sollen die Kinder geleitet von ihren eigenen Interessen und ihrem persönlichen Lerntempo eigenständig lernen können. In der vorbereiteten Umgebung des Klassenraumes sollen sie dabei aus einem Fundus verschiedener Montessori-Lernmaterialien schöpfen können, die das Lernen durch sinnliche Erfahrungen ermöglichen.

 

Umsetzung Schritt-für-Schritt

 

Wir sind uns darüber im Klaren, uns damit vor eine große Aufgabe gestellt zu haben, die wir nur schrittweise werden bewältigen können. So wird sich das Kollegium kontinuierlich in internen und externen Schulungsmaßnahmen intensiv mit der Montessori-Pädagogik auseinandersetzen.


Ein Jahr Montessori-Schwerpunkt

im Oktober 2009

Am 1. August 2008 haben wir wöchentlich mit mindestens vier Stunden Freiarbeit in allen Klassen begonnen. Das bedeutet: freie Wahl der Arbeit (Aufgabe), des Ortes (innerhalb des Klassenraums oder auf dem Flur) und des Partners / der Partnerin. Die Selbstkontrolle im Material unterstützt die Eigenständigkeit des Schülers. Insgesamt fördert die Freiarbeit die Selbständigkeit, was in allen Klassen zu beobachten ist.

 

Voraussetzung ist eine klare und übersichtliche Ordnung des Materials an einem festen Platz und für alle zugänglich. Daher ist es die Aufgabe der Lehrerin / des Lehrers, diese vorbereitete Umgebung herzustellen, um überhaupt erst die Freiarbeit zu ermöglichen. Dies wird in allen Klassen in unterschiedlicher Ausprägung umgesetzt. Optimale Vorbereitung auf diese veränderte Lehrerrolle bietet der Vorbereitungskurs auf das Montessori-Diplom. Idealerweise beginnt die Montessori-Pädagogik im Kinderhaus (KiTa) und wird auch in den weiterführenden Schulen (z.B. Montessori-Hauptschule Hermannplatz, Cecilien-Gymnasium, Leibnitz-Gymnasium) fortgeführt. Wichtig ist vor allem auch die Unterstützung der Selbstständigkeit und Eigenverantwortung des einzelnen Schülers / der Schülerin durch das Elternhaus. In Jahr 2008 konnten wir durch Elternspenden beim Sponsorenlauf, eine Spende der Sparkasse und die Bilker Geschäftsleute (BoB, Best of Bilk) das nötige Montessori-Material deutlich aufstocken. Die Rückmeldungen aus den Klassen sind durchweg positiv. Auch das Interesse neuer Eltern beim Schulfest / Tag der Offenen Tür war sehr groß, so dass wir den begonnen Weg auch in diesem Jahr mit Schwung fortsetzen werden. Mehr Informationen zum Thema Montessori finden Sie auf der Website des Montessori-Dachverbandes Deutschland.


Montessori Fortbildung der Offenen Ganztagsschule

Seit dem Schuljahr 2008/2009 wird in der GGS Kronprinzenschule schwerpunktmäßig die Montessori-Pädagogik umgesetzt. Aus diesem Grund wünschten die Gruppenleiterinnen der Offenen Ganztagsschule (OGS) mehr über diese Arbeitsweise zu erfahren. Schließlich haben sie täglich in der Hausaufgabenbetreuung damit zu tun. Am Samstag, den 24.01.2009, erfuhren alle Mitarbeiter/Innen nun mehr über die Frau „Montessori“ und ihre Pädagogik. Sie erhielten Einblick in das Lernen mit allen Sinnen und wie wichtig Ordnungssysteme im Lernprozess sind.

 

Spielerisch konnten sie mit Montessoriübungsmaterial erfahren, wie die Kinder Sprache, Zahlen und Formen begreifen lernen. Mit Spaß und viel Eifer verging der Tag wie im Nu. Zum Schluss gingen alle mit rauchenden Köpfen in das Wochenende. Die Diakonie in Düsseldorf, Träger der OGS, hatte diese Fortbildung ermöglicht. Für das leibliche Wohl war auch gesorgt.


Montessori Informationsabend für Eltern

Am Montag, dem 28. April 2008, fand der erste Eltern-Informationsabend über unseren neuen pädagogischen Schwerpunkt statt, der dazu beitragen soll, der Kronprinzenschule ein eigenständiges Profil zu geben. Dementsprechend groß war auch das Elterninteresse an dieser Veranstaltung, zu dem auch Leiterin der Montessori-Grundschule Lindenstraße, Frau Barbara Esser, geladen war.

 

Montessori-Methode heute so aktuell wie damals

 

Sie präsentierte sehr anschaulich, wie das Herzstück der Montessori-Pädagogik, die Freiarbeit, in der Praxis aussieht. Zunächst stellte sie die wesentlichen Merkmale der Pädagogik heraus, die an Aktualität nichts eingebüßt haben. So ist zum Bespiel das, was Maria Montessori mit „Polarisation der Aufmerksamkeit" bezeichnete und einen Zustand konzentrierter Aufmerksamkeit beschreibt, auch für die heutige Wissenschaft relevant, trägt nur einen anderen Namen, nämlich „Flow". Anleitung zum selbständigen Lernen Um diesen Zustand bei den Kindern zu erreichen, plädierte Maria Montessori schon Anfang des 20. Jahrhunderts dafür, den Kindern maximale Lernfreiheit zu lassen, um ihren eigenen Interessen in den sogenannten „sensiblen Perioden", gerecht werden zu können. Nach Montessori ist das Kind in diesen Perioden besonders empfänglich für bestimmte Reize aus der Umwelt zum Beispiel in Zusammenhang mit Sprache, Bewegung oder sozialen Aspekten. So war es ihr Ziel, den Kindern durch entsprechendes Übungsmaterial und die sogenannte „vorbereitete Umgebung" diese Konzentration zu ermöglichen. Barbara Esser erläuterte, dass die Übungsmaterialen bis heute wenig Veränderung erfahren haben. Sie ermöglichen das Lernen mit allen Sinnen, das systematische und individuelle Lernen und zeichnen sich aus durch die mögliche Wiederholbarkeit und die Fehlerkontrolle durch das Kind. Einige Bildbeispiele aus ihrer Präsentation verdeutlichten das. Diese Materialen sind im Klassenraum, der „vorbereiteten Umgebung", gut sichtbar angeordnet. In den Freiarbeitsstunden können die Kinder dann frei wählen, mit welchem Material, wann, wielange und mit welchen anderen Kindern sie sich beschäftigen möchten. Der oder die Lehrer/in hat in dieser Zeit die Funktion, die Kinder so anzuleiten, dass sie sich anschließend selbsttätig mit einer Aufgabe auseinandersetzen können.

 

Im Anschluss an die Ausführungen von Barbara Esser stellte Schulleiter Harald Neuhaus das Konzept der Kronprinzenschule vor, das sich von reinen Montessori-Schulen durch die Beibehaltung des Klassenverbandes unterscheidet. „Wir beginnen ab dem kommenden Schuljahr in allen Klassen mit vier Stunden Freiarbeit nach dieser Methode." Das Material werde, so Neuhaus weiter, nach und nach aus dem Schuletat bestritten, daneben bemühe man sich um Zuschüsse. Der Schulleiter, der bereits 1988 das Montessori-Diplom erworben hat, betonte noch einmal, dass viele der von Maria Montessori vertretenen Grundsätze, wie die Selbstständigkeit der Kinder, die Erziehung zur Eigenverantwortlichkeit, Gruppenarbeit und fächerübergreifender Unterricht, ja sogar Freiarbeit mit „Werkstattmaterialien" eine lange Tradition in der Schule haben. Doch habe er sich erst jetzt dazu entschlossen, das neue Konzept umzusetzen, seitdem mit dem neuen Kollegen Ulrich Vandré, ein weiterer ausgebildeter Montessori-Pädagoge an der Schule tätig sei. In der anschließenden Diskussion konnte unter anderem die Sorge der Eltern, dass die Kinder bei so viel Freiheit Probleme in den weiterführenden Schulen haben könnten, ausgeräumt werden. Barbara Esser sagte, die Kinder seien durch ihre Selbstständigkeit beim Lernen im Gegenteil sogar sehr gut auf die höheren Anforderungen in den Schulen vorbereitet.